Cover_Existenzialismus„DIE EXISTENZIALISTEN – LEBE DEINE FREIHEIT“
Sonderheft des Philosophie Magazins ab 2. November im Handel

Berlin, 1.November 2017 - Kaum eine philosophische Richtung war so stilbildend und politisch einflussreich für junge Intellektuelle, wie der französische Existenzialismus. Deren Ikonen lebten in freien und unkonventionellen Beziehungen, sie waren cool und anti-bourgeois, und sie planten die kommende Revolte im Zigarettenrauch Pariser Cafés: Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Albert Camus. Als Philosophen und Intellektuelle waren sie Vordenker der sozialen Emanzipationsbewegungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – von den antikolonialistischen Befreiungskämpfen bis zur Studentenbewegung und zum Feminismus.

Das Philosophie Magazins widmet sich dieser Denk-Strömung, die bis heute anhaltende Aktualität genießt, im nächsten Sonderheft, das am 2. November erscheint. Die Kapitel folgen den philosophischen Pfaden der Existenzialisten: von ihrer Feststellung, dass die Welt absurd ist bis zu ihrem unbedingten Willen zur Selbstbefreiung, von ihrer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Verantwortung bis zu ihrem politischen Engagement. Beiträge und Interviews erläutern den Einfluss der Vorläufer, namentlich Heidegger, auf das Denken der Existenzialisten und zeigen deren Wirkung bis zum heutigen Tag.

Exklusiv im Heft findet sich die erste deutschsprachige Übersetzung von Hannah Arendts Text „Französischer Existenzialismus“ („French Existentialism“) von 1946. Außerdem zahlreiche Originaltexte von Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Albert Camus, Beiträge von Sarah Bakewell, Peter Trawny, Alice Schwarzer, Vincent von Wroblewsky, Hans-Martin Schönherr-Mann und vielen anderen. Chefredakteurin ist Catherine Newmark.

Die Kapitel:

Die Existenzialisten

Von Berlin nach Paris – Gespräch mit Frédéric Worms

Hannah Arendt: Französischer Existenzialismus
In ihrem 1946 in „The Nation“ veröffentlichten Text, der bislang noch nie ins Deutsche übersetzt  wurde, erklärt die Emigrantin Hannah Arendt ihren neuen amerikanischen Landsleuten das Phänomen des französischen Existenzialismus. Und bietet dabei bis zum heutigen Tag eine der besten und scharfsinnigsten Einführungen in die Denkströmung.
Zitat:
„Auch wenn die französischen Existenzialisten in vielem uneins sind, teilen sie zwei Hauptlinien der Rebellion: erstens die strikte Ablehnung dessen, was sie den esprit sérieux nennen; und zweitens die wütende Weigerung, die Welt so, wie sie ist, als den natürlichen, vorherbestimmten Lebensraum des Menschen hinzunehmen.“

 

Ursprung Angst
Am Anfang des existenzialistischen Denkens liegen eine Reihe von Grunderfahrungen: das Gefühl der eigenen Sterblichkeit, die Angst vor dem Tode, der Ekel vor der Welt und die Verzweiflung über den Tod Gottes und die daraus folgende Erkenntnis, dass die Welt keinen vorgegebenen Sinn hat. Motive, die sich auch schon bei einigen der prägenden Vorläufer der französischen Existenzialisten finden.

Kierkegaards Einsicht: Das Prinzip Verzweiflung. Von Dominique Kuenzle

Heideggers Vermächtnis: Wir sind in die Welt geworfen. Von Peter Trawny
Zitat:
„Auch wenn man Heidegger nicht im eigentlichen Sinne einen Existenzialisten nennen kann: In seiner Suche nach einem verlorenen Leben, nach der Existenz, die sich aus alltäglich erzwungener Zerstreuung in einer Welt der Technik und des Marktes befreit, ist er seinen französischen Nachfolgern doch nah.“

 

Wagnis der Freiheit
Die Welt ist absurd und sinnlos. Aber gerade darin begründet sich unsere Freiheit. 

Sartres Weg zur Selbstbefreiung von Hans-Martin Schönherr-Mann
Zitat:
„Sartre ebnet mit der Behauptung radikaler individueller Freiheit den Weg für die emanzipatorischen Bewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und für ein neues Verständnis der Eigenverantwortlichkeit des Menschen.“

Camus: Von der Revolte in die Versöhnung von André Comte-Sponville

 

Gegen die Welt
„Unsere Absicht ist es, zu bestimmten Veränderungen in der Gesellschaft beizutragen“ schreibt Sartre schon 1945. Mehr als irgendeine Generation vor ihnen verstehen sich die französischen Existenzialisten als öffentliche Intellektuelle, als politisch engagierte Denker.  Originaltexte von Sartre, Beauvoir und Camus über die wichtigsten weltpolitischen Ereignisse, vom 2. Weltkrieg und der Atombombe bis zum Vietnamkrieg, zur Revolte von 1968 und zur zweiten Frauenbewegung.

 

Von der Revolte zur Aktion
Die Auflehnung gegen eine sinnlose Welt kann im Trotz münden, in der persönlichen Befreiung – oder aber in der politischen Aktion. Der existenzialistische Ruf zur Verantwortungsübernahme und zur Freiheit ist bis heute einflussreich und aktuell.

Jeder Selbstmord braucht Mut“ – Gespräch mit Roland Quilliot
Die Debatten über Sterbehilfe haben in den letzten Jahren den Freitod zu einem kontroversen gesellschaftlichen Thema gemacht. Die Eltern des Philosophen Roland Quilliot waren mit Albert Camus befreundet und zitierten ihn im Abschiedsbrief, den sie vor ihrem gemeinsamen Freitod verfassten. Ein Gespräch über ein schwieriges Thema, das Camus als die wichtigste philosophische Frage schlechthin bezeichnete.

Sartre wollte einen modernen Marxismus“ – Gespräch mit Vincent von Wroblewsky

Der Feminismus steht auf Beauvoirs Schultern“ – Gespräch mit Alice Schwarzer
Zitat:
„Beauvoir war der Auffassung – und ich bin es auch –, dass Frauen sich auch die so genannten „männlichen Qualitäten“ aneignen sollten: Kreativität, Konfliktfähigkeit, In-die-Welt-Gehen. Nicht in der Verweigerung verharren. Zur Macht greifen, um die Welt zu verändern! Seid anspruchsvoller mit euch selbst! Frausein genügt nicht.“

„Niemand kann ein perfekter Existentialist sein“ – Gespräch mit Sarah Bakewell
Die Autorin des Bestsellers „Das Café der Existenzialisten“ erzählt im Interview von ihrer persönlichen Faszination für die Existenzialisten seit Jugendtagen.
Zitat:
„In gewisser Weise sind die Existenzialisten schon rigoristisch – zumindest bei dem Anspruch, authentisch, „eigentlich“ zu leben. Man muss sich selbst dauernd hinterfragen. Das ist natürlich in gewisser Weise eine Zumutung, aber es ist auch belebend! Dass es unmöglich ist, den Anspruch zu erfüllen, heißt ja nicht, dass wir es nicht versuchen sollten.“

 

PRESSEKONTAKT
Sabine Schaub, Tel: +49 – 030 31 99 83 20, E-Mail: s.schaub@nullschwindkommunikation.de