Literaturpreis geht an Enrique Winter (Chile) und Marlen Hobrack (Leipzig)

Berlin, im März 2025 – Der Anna Seghers-Preis geht in diesem Jahr an den chilenischen Schriftsteller Enrique Winter und die Leipziger Autorin Marlen Hobrack. Die Preisverleihung findet am 7. Juni 2025 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, statt.

Der 1982 in Santiago de Chile geborene Enrique Winter sei einer der „herausragendsten spanischsprachigen Dichter seiner Generation“, so die Jurorin Victoria Torres, die Winter für den Anna Seghers-Preis ausgewählt hat. Winter schreibe und lehre in allen Genres und habe mit „Sobre nosotros callaremos“, einen Roman im Geiste von Seghers‘ Romanen „Transit „und „Das siebte Kreuz“ geschrieben. Winters Roman behandelt das Thema der kulturellen Entwurzelung und die Liebesgeschichten der polnischen Großmutter des Autors, die vor dem Nationalsozialismus nach Lateinamerika floh – eine transatlantische Reise wie die von Anna Seghers.

Die deutschsprachige Preisträgerin Marlen Hobrack, geboren 1986 in Bautzen, greife mit dem „Klassismus ein wichtiges politisches Thema in literarisch origineller Form auf“, so Juror Jörg-Philipp Thomsa in der Begründung für seine Preisauswahl.

Die Preisverleihung findet zum zweiten Mal in Folge in Mainz statt, am 7. Juni 2025, 19 Uhr, in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss an die Preisverleihung lädt die Anna Seghers-Stiftung zu einem kleinen Empfang im Foyer der Akademie ein.

Der mit jeweils 12.500 Euro dotierte Anna Seghers-Preis wird von der Anna Seghers-Stiftung an junge Autor*innen aus dem deutschen Sprachraum und aus Lateinamerika verliehen, die im Sinne von Anna Seghers mit den Mitteln der Kunst zur Entstehung einer gerechteren Gesellschaft beitragen wollen. Die Auswahl der Preisträger*innen übernehmen im jährlichen Wechsel von der Stiftung beauftragte Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben.

Enrique Winter, geboren 1982 in Santiago, Chile, ist Dichter, Geschichtenerzähler, Übersetzer und Rechtsanwalt. Bekannt wurde er mit „Atar las naves“ im Jahr 2003. Er hat insgesamt siebzehn Gedichtbände veröffentlicht und erhielt u. a. die renommierten Preise Víctor Jara, den Nationalpreis Poesía y Cuento Joven, den Nationalpreis Pablo de Rokha und Goodmorning Menagerie Chapbook Translation Prize sowie Stipendien der Sylt Foundation, der Künstlerhäuser Worpswede und der Universidad de los Andes.

Seine Werke wurden ins Englische, Französische, Bengalische, Portugiesische, Deutsche, Italienische, Polnische und Kroatische übersetzt. Er ist außerdem Autor der Romane „Las bolsas de basura“ und „Sobre nosotros callaremos“ und Übersetzer von Werken von Emily Dickinson, C. K. Chesterton, Philip Larkin, Susan Howe und Charles Bernstein. Auf Deutsch erschien der Band „Oben das Meer unten der Himmel“ (Parasitenpresse 2018). Er lebt derzeit in Köln.

Marlen Hobrack, geboren 1986 in Bautzen, studierte Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften und arbeitete im Anschluss für eine Unternehmensberatung. Seit 2016 schreibt sie hauptberuflich für diverse Zeitungen und Magazine, u. a. für „Der Freitag“, „Die Zeit“, „Die Welt“ und das Kunstmagazin „Monopol“. 2022 erschien ihr erstes Sachbuch „Klassenbeste“ (Hanser Berlin), 2023 debütierte sie mit „Schrödingers Grrrl“ auch als Romanautorin (Verbrecher Verlag). Dafür erhielt sie unter anderen den Debütant*innen-Preis der Erfurter Herbstlese.  Zuletzt erschien 2024 das Sachbuch „Erbgut“ (Harper Collins), in dem sie erzählt, wie sie die Wohnung ihrer Mutter auflöst und dabei ihr Verhältnis zu ihr verarbeitet. 2023 erhielt sie den Jörg-Henle-Preis für Literaturkritik. Marlen Hobrack lebt und schreibt in Leipzig.

 

Die JurorInnen:

Jörg-Philipp Thomsa, geboren 1979 in Moers, studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Duisburg-Essen, 2019 Promotion über „Kulturpolitik in einer Industrie- und Arbeiterstadt. Duisburg 1945 bis 2005“, seit 2009 Direktor des Günter-Grass-Hauses, Lübeck.

Victoria Torres ist Literaturwissenschaftlerin und Dozentin an der Universität zu Köln. Sie hat Literaturwissenschaft an der Universidad Nacional de La Plata in Argentinien studiert und unterrichtete zuvor an den Universitäten Bonn, Köln und Wuppertal. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf der uruguayischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts. Ein weiterer zentraler Schwerpunkt ihrer Forschung sind die literarischen Repräsentationen von Kriegen, insbesondere des Malvinaskriegs. Gemeinsam mit Dunia Gras gab sie zuletzt den Band Constelaciones y redes literarias de escritoras latinoamericanas actuales entre América y Europa (Peter Lang, 2025) heraus, der die literarischen Verbindungen zwischen lateinamerikanischen Schriftstellerinnen und dem europäischen Raum untersucht.

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