Eine Stimme der Liberalität: Hildegard Hamm-Brücher. Biografie mit unbekannt Familiärem und Politischem.
Berlin, im Juni 2026 – In Zeiten der Neupositionierung der FDP lohnt ein Blick zurück – auf eine streitbare Verfechterin der Liberalität: Hildegard Hamm-Brücher. Gerade erschien dazu eine neue Biografie, spannend zu lesen und aufschlussreich. Finden sich doch eine Menge unbekannter politischer Episoden und familiärer Hintergründe darin. 1921 in Essen, aufgewachsen in Berlin und Dresden, politische Heimat in München, Bonn und Berlin. Ein Jahrhundertleben.
Die Autorin Petra Weber, langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Münchner Institut für Zeitgeschichte, hat den dort liegenden Nachlass aufgearbeitet und daraus eine erstaunliche Geschichte geschrieben. Dieses Leben spiegelt die Befindlichkeit der Bundesrepublik – aus der Perspektive einer ungewöhnlichen Frau und unbequemen Politikerin.
Petra Weber
Hildegard Hamm-Brücher. Eine Biografie
Metropol Verlag Berlin 2026. Eine Publikation des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin
720 Seiten, 50 Abbildungen, 39,- Euro (E-Book 30,-Euro)
ISBN: 978-3-86331-843-7
Norbert Lammert sagte treffend über sie: „Ein Parlament, das nur aus solchen Persönlichkeiten bestünde, wäre handlungsunfähig. Ein Parlament, das solche Persönlichkeiten nicht ertrüge, wäre unter meinen Erwartungen.“ Dagegen waren „Kampfhenne“ und „Bissgurke“ die üblichen beleidigenden Attribute, die die kompromisslose FDP-Politikerin aushalten musste. Eine Frau, die wie kaum eine andere die politische Arena der Bonner und der Berliner Bundesrepublik bestimmte. Die zu reden verstand und auch in intellektuellen Kreisen gut vernetzt war. Heute gilt sie als Lichtgestalt. Straßen und Plätze werden nach ihr benannt, weibliche Abgeordnete bezeichnen sie – über Parteigrenzen hinweg – als ihr Vorbild.
Petra Weber bringt mit einem lapidaren Satz einen entscheidenden Moment in Hamm-Brüchers politischer Karriere auf den Punkt: „Sie wich dem Streit mit Männern nicht mehr aus“ . Das war 1951, da war sie Stadträtin in München. An Selbstbewusstsein mangelte es ihr nicht, sie hatte eine glänzende Ausbildung: Salem-Internat, Studium der Chemie und noch 1945 Promotion im Bombenhagel in München. Und das, obwohl längst das Klima für „Halbjuden“ lebensbedrohlich war. Die Großeltern mütterlicherseits waren jüdische Fabrikanten in Dresden. Unter anderem dort wuchs sie als Teenager auf. Zeitlebens stemmte sie sich gegen die damals erfahrene Ausgrenzung mit einem sagenhaften Leistungsethos und betonter Forschheit.
Die Notwendigkeit, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen, hat aus ihr eine dominante und eigenwillige, zugleich charmante und bewunderte Einzelkämpferin gemacht, die in der größten Krise ihrer Karriere – 1982, beim Zerfall der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt – zur moralischen Instanz wurde. Auch in Sachen Medien war sie eine Instanz. Ihre direkt nach dem Krieg begonnene journalistische Ausbildung wusste sie zeitlebens zu nutzen. Wo sie keine Stimme im Parlament hatte, schrieb sie Artikel in den angesehensten Zeitungen der Bundesrepublik.
Dr. Petra Weber, geb. 1958, war von 1995 bis 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte München–Berlin. Sie veröffentlichte unter anderem: Carlo Schmid 1896–1979. Eine Biographie, München 1996; Gescheiterte Sozialpartnerschaft – Gefährdete Republik. Industrielle Beziehungen, Arbeitskämpfe und der Sozialstaat. Deutschland und Frankreich im Vergleich (1918–1933/39), München 2010; Getrennt und doch vereint. Deutsch-deutsche Geschichte 1945–1989/90, Berlin 2020.
Pressestimme:
„So hat Weber einen beeindruckenden, wissenschaftlich penibel erstellten Band vorgelegt, der chronologisch alle Lebensabschnitte Hamm-Brüchers beleuchtet. Er enthält ein paar Wertungen, verzichtet jedoch auf besondere erzählerische Effekte und legt den Schwerpunkt stattdessen auf eine nüchterne Darstellung der Ereignisse.“ (Süddeutsche Zeitung)
Pressekontakt:
Sabine Schaub, mobil: 0172 799 7566, s.schaub@nullschwindkommunikation.de



